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    SolarEis überall, wo geheizt und gekühlt werden muss
    Das SolarEis-Prinzip kommt in Bürogebäuden, Gewächshäusern, Sporthallen, Hotels und Ladengeschäfte zum Einsatz. Oft spielt neben der Wirtschaftlichkeit und Sicherheit dabei auch das umweltfreundliche Image des Bauherren eine Rolle. In Zukunft werden Kunden genauer darauf achten, von wem sie ihre Produkte und Dienstleistungen beziehen und dabei auch das soziale Engagement der Partner nicht außen vor  lassen. Schon heute werben unsere Partner, so zum Beispiel aus dem Hotelgewerbe, erfolgreich mit ihrer Energiebilanz.
     
     
     
    Erfrischung für den kommunalen Haushalt
    Mit innovativen Heiz- und Kühlsystemen können öffentliche Gebäude auf niedrigem Kostenniveau betrieben werden
    Eine Erfindung aus Friedrichshafen schickt sich derzeit an, die Gebäudetechnik zu revolutionieren und hält Einzug in erste kommunale Bauprojekte: der sogenannte „SolarEis“-Speicher. Neben klassischen regenerativen Energiequellen kann damit auch die Abluft aus Abwasserkanälen für das Heizen genutzt werden. Mit dem mehrfach ausgezeichneten Eisspeicher-System lassen sich Gebäude außerdem nahezu kostenneutral kühlen. In Verbindung mit privaten Investoren rücken nun auch vielerorts längst aufgegebene Bauvorhaben wieder in greifbare Nähe.
    Engelbert Rummel gilt als äußerst erfahren, besonnen und optimistisch. Und doch erinnert der langjährige Leiter des Kölner Amts für Gebäudewirtschaft außenstehende Beobachter manchmal an eine Art „Drachentöter“, dem angesichts seiner fast unlösbaren Aufgabe eigentlich der Schweiß sichtbar auf der Stirn stehen müsste. Rummels Job: Energiesparen – wann und wo immer es nur geht. Rund 30 Mio. Euro verschlingt die Versorgung von öffentlichen Einrichtungen in der Rheinmetropole mit Heizung, Strom und Wasser. Jahr für Jahr. Und das, obwohl Engelbert Rummel und seine Teams alles Menschenmögliche tun, um den Verbrauch zu senken: Da wurden Gebäudehüllen gedämmt, Energieleitlinien ausgearbeitet, zusätzliche Stellen für Energieprüfer vor Ort geschaffen, Einsparpotenziale aufgespürt und die Nutzer der städtischen Gebäude für einen möglichst sparsamen Umgang mit den Ressourcen gecoacht.
    All diese Bemühungen trugen zunächst sogar reichlich Früchte: Innerhalb nur eines Jahres konnte etwa 2007 der Heizenergieverbrauch der städtischen Einrichtungen um immerhin sieben Prozent gesenkt werden. Und doch: Der „Drache Energiebedarf“ ließ sich nicht wirklich bändigen, denn im selben Zeitraum stiegen die Energiepreise um fast den gleichen Prozentsatz. Fast jeder Cent, der an Energie eingespart werden konnte, wurde durch die galoppierenden Kosten wieder eingeholt. Unter dem Strich schlug der Energieverbrauch für 2007 im Vergleich zum Vorjahr schließlich mit einer halben Mio. Euro Mehrkosten zu Buche, im Jahr 2008 waren es nach letzten Erhebungen gar drei Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Trotz aller Kämpfe.
    So wie Köln ergeht es vielen Städten und Gemeinden im Land. Und längst sind nicht allein die Investitionskosten bei notwendigen Sanierungs- oder Neubauvorhaben ausschlaggebend, sondern vor allem auch die danach zu erwartenden Betriebskosten. So manche marode Turnhalle, mancher dringend benötigte Schulneubau, manche Kulturstätte oder Freizeiteinrichtung liegt schon allein deshalb brach, weil die Aussicht auf eine dauerhafte Belastung durch ständig steigende Energiekosten bereits den Gedanken daran lähmt.
    Doch es geht auch anders – und zwar mithilfe neuer umweltfreundlicher und zugleich extrem ressourcensparender Technologien für das Beheizen – und auch das Kühlen – von Gebäuden. Die Rede ist vom sogenannten „SolarEis“-Speichersystem, eine Erfindung des deutschen Ingenieurs Alexander von Rohr.
    Das Grundprinzip: Anstatt sich nur auf eine natürliche Energiequelle zu verlassen, werden hierbei gleich mehrere „Naturgewalten“ gleichzeitig genutzt: Sonne, Luft, Erde, Wasser – und Eis. Gefertigt wird diese „optimale Wärmepumpe“ in einer Manufaktur am Bodensee, die aus einem einfachen Handwerksbetrieb hervorgegangen ist: der „Isocal Heizkühlsysteme GmbH“ in Friedrichshafen. Das „SolarEis“-System wurde bereits 2006 mit dem „Innovationspreis der deutschen Gaswirtschaft“ und im August 2010 mit dem Innovationspreis des „Deutschen Industrie- und Handelskammertages“ ausgezeichnet. Derzeit läuft die Bewerbung um den Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg. Das System besteht aus mehreren Komponenten:
    •          Das zentrale Element ist der Eisspeicher. Dabei handelt es sich um einen Wassertank, der in einer Tiefe von etwa drei bis vier Metern in den Erdboden eingelassen wird. Das Fassungsvermögen reicht dabei von etwa 10 bis 15 Kubikmetern für kleinere Einheiten und bis zu tausend bei Großprojekten. Einmal im Erdboden versenkt, nimmt das Wasser dort zunächst die natürliche Erdwärme der Bodenschichten auf und macht sich diese für die spätere Energiegewinnung zunutze.
    •          Zugleich werden die Temperaturbedingungen im Tank durch einen übererdigen Kollektor beeinflusst, der – meist auf dem Dach montiert – seine Energie sowohl aus der vorhandenen Lufttemperatur als auch aus der Sonnenkraft bezieht. Dieser „SolarLuft“-Kollektor speichert die Wärme selbst noch bei Dunkelheit und Regen und lagert sie über ein entsprechendes Leitungssystem im „SolarEis“-Speicher ein. Im Sommer wird die Solarwärme genutzt, um das Brauchwasser zu erwärmen – im Winter bietet der Kollektor eine kräftige Heizunterstützung.
    •          Nun kommt die Wärmepumpe ins Spiel: Sie versorgt das Gebäude mit der nötigen Raumwärme, die zuvor durch Sonnenenergie, Lufttemperatur oder Erdwärme im „SolarEis“-Speicher „eingelagert“ wurde. Dabei kommt eine Wärmepumpe zum Einsatz, die entweder elektrisch oder von einem Gasbrenner (zum Beispiel mit Biogas) angetrieben wird.
    •          Um auch jederzeit ausreichende Mengen an warmem Wasser zur Verfügung zu stellen, wird zusätzlich ein Warmwasserspeicher im Gebäude installiert. Dieser speist sich zunächst aus der Sonnenwärme, die der „SolarLuft“-Kollektor erzeugt. Scheint die Sonne nicht, springt die Wärmepumpe automatisch auf die Versorgung mit Wärmeenergie aus dem „SolarEis“-Speicher um.
    •          Ein speziell für dieses komplexe System entwickelter Regler kontrolliert die einzelnen Komponenten: der „SolarEis“-Manager. Damit legen die Nutzer beispielsweise fest, ob die Wärme des überirdischen „SolarLuft“-Kollektors sofort für Warmwasser verwendet oder aber zunächst im unterirdischen „SolarEis“-Speicher eingelagert werden soll.
    Doch woher stammt die enorme Energiemenge, die ein solcher „SolarEis“-Speicher erzeugt? Erfinder Alexander von Rohr: „Das Geheimnis beruht auf einem einfachen physikalischen Prinzip: Wenn Wasser zu Eis gefriert, entsteht die sogenannte Kristallisationswärme. Diese freigesetzte Wärmemenge entspricht derselben Energiemenge, die man gewinnt, wenn man Wasser von 80 Grad Celsius auf null Grad Celsius herabkühlt. Das Problem: Bisher konnte dieser Effekt nicht genutzt werden, da die dabei auftretende Sprengwirkung des Eises technisch nicht beherrschbar war.“ Anders nun mit dem „SolarEis“-System, das durch seine neuartige Technologie die Sprengwirkung des Eises zuverlässig verhindert, indem das Eis dabei nicht – wie üblich – von außen nach innen gefriert, sondern von innen nach außen.
    Der Clou: Der Kristallisationsprozess kann nun nicht nur hundertprozentig beherrscht, sondern auch gezielt gesteuert – und vor allem – fast beliebig hinausgezögert werden. Dabei wird der Gefrierpunkt über Monate hinweg immer wieder eingeleitet, gestoppt und aufs Neue gestartet. Und immer wieder aufs Neue wird eine enorme Menge an Kristallisationswärme freigesetzt. Alexander von Rohr: „Dieses physikalische Phänomen kommt der extrem hohen Effizienz der Anlage im Betrieb über den gesamten Jahreszyklus hinweg zugute.“
    Mit dem „SolarEis“-System kann man jedoch nicht nur im Winter heizen, sondern im Sommer auch die gespeicherte Kälte zum aktiven Kühlen selbst großer Raumflächen verwenden. Der „SolarEis“-Speicher wird damit zur nahezu kostenneutralen und umweltschonenden Klimaanlage. Zudem können sich Investoren von Photovoltaik-Anlagen, wie sie zunehmend auch auf öffentlichen Gebäuden montiert werden, über einen äußerst gewinnbringenden Nebeneffekt freuen: Denn die Kühlung aus dem Eisspeicher kann ohne großen Aufwand an besonders heißen Sommertagen auch für die Module genutzt werden. Damit lassen sich die bei Überhitzung von PV-Anlagen einsetzenden Energieverluste ausgleichen – die „SolarEis“-Kühlung bringt hier in der Praxis zwischen 25 und 30 Prozent Effizienzgewinn.
    Das Ganze ist trotz seiner zahlreichen physikalischen und technischen Finessen nicht nur äußerst flexibel, sondern auch erstaunlich leicht zu installieren und lässt sich ebenso leicht steuern. Bei entsprechender Auslegung deckt das „SolarEis“-System sowohl den Wärme- als auch den Kältebedarf von Gebäuden aller Größenordnungen hundertprozentig und ganzjährig ab – vom Eigenheim bis zum Verwaltungskomplex. Es kann aber auch als zusätzliche Anlage andere Gewerke sinnvoll unterstützen. Zu den Anwendern gehören nicht nur immer mehr „Häuslebauer“ zwischen Flensburg und Garmisch, sondern auch viele Gewerbegebäude und große kommunale Einrichtungen. Jüngstes Beispiel: das Stuttgarter Stadtarchiv. 
    Derzeit läuft der Umzug von Verwaltung und Archivalien aus den zuletzt recht beengten und auf vier Standorte verteilten Räumen in der Stuttgarter Innenstadt. Neues Domizil: ein komplett saniertes früheres Lagerhausensemble im nahe gelegenen Bad Cannstatt mit einer Bruttogesamtfläche von 11.000 Quadratmetern. Dort kommen künftig ein 400 Kubikmeter großer Eisspeicher und eine Wärmepumpe mit einer Leistung von 140 kW zum Einsatz.
    Der zuständige Sachgebietsleiter für Stadtsanierungsmaßnahmen und Bauherrenvertreter der Stadt Stuttgart, Matthias Bertram, erläutert die hohen Anforderungen des Projekts an die Energieversorgung: „Die Stadt Stuttgart hat sich in einem eigenen Energieerlass verpflichtet, auf Grundstücken, die selbst bebaut oder an Dritte verkauft werden, nur noch Bebauungen nach dem KfW-70-Standard zuzulassen. Dieses Ziel kann zwar bei denkmalgeschützten Bestandsbauten kaum erreicht werden, aber dennoch versuchen wir zusammen mit dem Amt für Umweltschutz auch bei Sanierungen stets ein Optimum an Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit zu erzielen.“ Dabei gehen die Stuttgarter Städteplaner weit über die Vorgaben der geltenden Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) hinaus. 
    Matthias Bertram: „Wir haben zunächst einmal alle Möglichkeiten ausgelotet, die technisch bei so einem teilweise denkmalgeschützten Altbau überhaupt in Frage kommen. Die Gebäudeteile liegen mitten in einem Quellschutzgebiet, wir haben hier nach Budapest die größten Heilquellen Europas. Damit hat zuallererst einmal der Grundwasserschutz Priorität,“ so der oberste Stuttgarter Stadtsanierer. Ab drei Metern Tiefe beginnt vor Ort bereits der Grundwasserspiegel – Tiefbohrungen, etwa für geothermische Sonden, scheiden dadurch von vorneherein aus. 
    „Auch für erdnahe Flachkollektoren fehlen die Flächen, da das Grundstück nahezu vollständig versiegelt ist,“ so Bertram weiter, „und auch die Nutzung von Industrieabwärme kommt nicht in Frage, weil sich keine entsprechenden Industriebetriebe in ausreichender Nähe befinden. Schließlich konnten wir zwar immerhin eine Dachfläche für eine Photovoltaikanlage nutzen, aber für weitere Module oder gar für Warmwasser-Solarkollektoren fehlte schließlich der Platz, weil das Hauptgebäude aufgrund der Denkmalschutzvorschriften dafür nicht genutzt werden kann und die restlichen Dachflächen bereits belegt waren.“ Was also tun?
    Die besondere Krux bei diesem Sanierungsprojekt lag schließlich in ihrem speziellen Nutzungszweck als historisches Archiv: „Wir brauchen hier in den Magazinen eine Heizung und Kühlung, die nicht nur besonders fein abstimmbar ist, sondern auch ohne wasserführende Leitungen auskommt. Die teilweise sehr empfindlichen alten Dokumente und Gemälde haben einen unschätzbaren Wert, auch das Stadtmuseum nutzt künftig einen Teil des Magazins. Deshalb haben wir uns an die europäischen Normen für die Lagerung von Archivalien zu halten. Das bedeutet: Wir brauchen ganzjährig eine konstante Temperatur von 18 Grad Celsius mit höchstens 0,5 Grad Celsius Abweichung. Die relative Luftfeuchtigkeit muss dabei stets 50 Prozent betragen – plus/minus zwei Prozent,“ so Bertram.
    Damit lagen die technischen Hürden für eine effiziente und zugleich wirtschaftliche Energieversorgung des neuen Stuttgarter Stadtarchivs ungewöhnlich hoch, als die Planer schließlich drei Kombinationen für eine mögliche Lösung in die engere Wahl fassten:
    1.         eine herkömmliche Gasbrennwertheizung in Verbindung mit einer konventionellen Klimaanlage
    2.         eine Holzpellet-Heizung plus konventioneller Klimaanlage
    3.         eine Gasheizung für die Büroflächen, kombiniert mit einem Eisspeicher-System inklusive Absorptions-Wärmepumpe              (teilweise unterstützt durch eine konventionelle Klimaanlage) 
    Schließlich wurden diese drei Varianten eingehend unter Umwelt- und unter Wirtschaftlichkeitsaspekten geprüft. Dabei kamen die beteiligten Ämter für „Stadtplanung und Stadterneuerung“, „Liegenschaften und Wohnen“ sowie „Umweltschutz“ zusammen mit der Leitung von Stadtarchiv und Stadtmuseum zu folgendem Ergebnis:
    Im Vergleich mit einer konventionellen Gasheizung können unter Verwendung eines Eisspeicher-Systems beim Stuttgarter Stadtarchiv zunächst jährlich mehr als 55 Tonnen an schädlichen CO2-Treibhausgasen eingespart werden – auf zwanzig Jahre gerechnet werden dadurch immerhin 1.100 Tonnen CO2 vermieden. Selbst eine Pellets-Anlage brächte demnach, je nach Betrachtungsweise, weit schlechtere Umweltergebnisse. Matthias Bertram: „Zwar gelten Pellets als klimaneutral, solange dafür ausschließlich recycelte Holzabfälle verwendet werden. Aber wenn man den tatsächlichen CO2-Ausstoß betrachtet, der bei der Verbrennung entsteht, wäre dies bei unseren Vergleichen sogar die schlechteste Lösung gewesen.“ 
    Doch auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten konnte die Eisspeicher-Variante punkten: „Unter den drei Aspekten Energiekosten, Investitionskosten und Wartungskosten bietet das Eisspeichersystem die günstigste Lösung,“ so Bertram. Bei den reinen Verbrauchskosten liegt der Eisspeicher danach mit 55.000 Euro jährlich rund 30 Prozent unter den Verbrauchskosten einer konventionellen Lösung, die etwa 78.000 Euro pro Jahr betragen hätten. „Zwar liegen die Mehrkosten bei der Planung und beim Bau unserer Eisspeicherlösung bei rund 400.000 Euro – aber auf 20 Jahre gerechnet, lassen sich beim Verbrauch mit Hilfe des Eisspeichers locker weit mehr als diese 400.000 Euro einsparen,“ ist Matthias Bertram überzeugt. Das gelte besonders dann, wenn die Preise für Gas und Öl noch mehr in die Höhe klettern.
    Ein weiteres Plus: Der Eisspeicher benötigt keine oberirdischen Flächen, sondern „verschwindet“ unsichtbar unter der Erde – in diesem Fall unter dem Parkplatz der Archivgebäude.
    Doch die Entscheidung für den Eisspeicher, der vor allem auch auf Initiative des Generalplanungsbüros „agn“ aus Ibbenbüren realisiert wurde, hatte noch einen anderen triftigen Grund. Matthias Bertram: „Besonders im Frühjahr und im Herbst schwanken die Außentemperaturen beträchtlich, so dass man oft nachts heizen muss, aber tagsüber die Kühlung benötigt wird. Wenn man diese Temperaturschwankungen mit einer konventionellen Anlage bewältigen will, verursacht dies einen enormen Energieverbrauch. Anders beim Eisspeicher: Die Kälte, die beim nächtlichen Heizen als eine Art Abfallprodukt anfällt und im Eisspeicher zwischengelagert wird, kann tagsüber problemlos für die Kühlung abgerufen werden. Diese Energie geht also nicht verloren, sondern kann selbst innerhalb von 24 Stunden sinnvoll genutzt werden“.
    Derweil läuft der Probebetrieb der Bad Cannstatter Anlage bereits seit Anfang Oktober – störungsfrei. Und schon bald könnte die neue Technologie in ähnlichen öffentlichen Einrichtungen „wie etwa Bibliotheken, Stadthallen, Kongresszentren oder Kliniken zur Anwendung kommen,“ ist Heiko Lüdemann überzeugt, der gemeinsam mit Alexander von Rohr die Geschäftsführung der Firma „Isocal HeizKühlsysteme“ in Friedrichshafen innehat: „Dabei kann, wie im Fall des Stuttgarter Stadtarchivs einerseits flexibel auf einzelne Elemente wie zum Beispiel Solarkollektoren verzichtet werden – andererseits ist es aber auch möglich, verschiedenste Energiequellen zu nutzen, die ohnehin vorhanden sind.“ Dazu zählen neben Sonne, Luft und Erdwärme etwa auch Wärmeenergie, die bei Industrieprozessen (vor allem in der Automobilindustrie) entsteht – oder die Warmluft aus Abwasserkanälen. Heiko Lüdemann: „Das ist sicher für viele Kommunen interessant, denn hier verpufft eine Menge bisher ungenutzter Energie, die ja zunächst mal nichts kostet.“ Bislang war die Nutzung von Kanalluft dennoch selten ein Thema, wenn es um die Erschließung kostengünstiger Energiequellen ging. Der Grund: Herkömmliche Systeme sind kaum in der Lage, die eher niedrigen Temperaturen im Kanalnetz in Heizenergie zu verwandeln. „Gerade hier liegen die Stärken des Eisspeichers, denn das System funktioniert auch mit moderaten Temperaturen,“ so Heiko Lüdemann.
    Auch Dr. Sylvia Schädlich, Leiterin des Instituts für Energie-, Kälte- und Klimatechnik (InEKK) im westfälischen Gladbeck, sieht in dem „SolarEis“-Speicher  deutliche Vorteile gegenüber vergleichbaren Heizsystemen wie etwa geothermischen Wärmepumpen, die ihre Energie aus tief gelegenem Grundwasser beziehen: „Die Technologie des Eisspeichers ist erprobt und daher auch viel einfacher und unbedenklicher einsetzbar als etwa Geothermie,“ so Sylvia Schädlich.
    Tatsächlich ist - anders als beim „SolarEis“-Speicher – bei der Nutzung des Grundwassers für die Erzeugung von Heizenergie stets ein aufwendiges Genehmigungsverfahren durch die örtliche Wasserbehörde Pflicht. Die Bohrungen sind zudem teuer und mit gewissen Risiken für die Bausubstanz der umliegenden Gebäude verbunden. So zeigten sich etwa im Schwarzwaldstädtchen Staufen nach umfangreichen Erdwärmebohrungen Risse an 256 Häusern – ein Schaden von mehr als 40 Millionen Euro. 
    Aber auch andere herkömmliche Wärmepumpen haben im Vergleich deutliche Nachteile: Für eine Erdwärmepumpe ist zum Beispiel eine ausreichende Bodenfläche erforderlich. Spätere Schäden an den Rohrleitungen – etwa durch starken Wurzelwuchs von Bäumen und Sträuchern – sind dabei nicht ausgeschlossen. Luftwärmepumpen wiederum erreichen nicht immer die erforderliche Vorlauftemperatur und müssen daher nicht selten durch klassische Öl- und Gasheizbrenner unterstützt werden. Den ganz großen Vorteil des „SolarEis“-Systems sieht Dr. Sylvia Schädlich jedoch ähnlich wie viele Anwender „in der Kombination mit der Nutzung kostenloser Kälte im Sommer.“ 
    In Kürze läuft ein mehrjähriges Forschungsprogramm aus, das Dr.Sylvia Schädlich leitet: Als Untersuchungsobjekt für die auf 30 Monate angelegte Feldstudie dient ihrem Team dabei ein 4-Sterne-Hotel am Bodensee. Der Heiz- und Kühlbedarf der 55 Zimmer, drei Konferenzräume, einer Bar, zwei Restaurants, zwei Küchen und eines Wellnessbereichs mit Swimmingpool wird vollständig durch einen „SolarEis“-Speicher der Firma „Isocal“ abgedeckt – insgesamt 500 Kilowatt. In einer ersten Zwischenbilanz stellte das Team um Dr. Sylvia Schädlich dabei eine erstaunliche Energieeffizienz des „SolarEis“-Speichersystems fest: „Durch die Kombination aus Gas-Absorptionswärmepumpe und saisonalem Eisspeicher kann aufgrund der gleichzeitigen Nutzung von Wärme und Kälte eine Gesamteffizienz von über 200 Prozent, bezogen auf die eingesetzte Primärenergie, erreicht werden,“ so das InEKK in einer Stellungnahme. 
    Ein weiteres unabhängiges Institut bescheinigte dem „SolarEis“-Speicher unterdessen ebenfalls einen besonders hohen Wirkungsgrad: Demnach liegt die am kompletten System ermittelte Jahresarbeitszahl – mit Unterstützung der angeschlossenen Solaranlage – mit einem Wert von 5,46 deutlich über der Effizienz einer herkömmlichen Erdsonden-Wärmepumpe. Errechnet wurde dieser bislang unerreichte Wert analog zur Richtlinie 4650 des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).
    Schon sind auch private Investoren hellhörig geworden – etwa die auf kommunale Freizeitanlagen wie zum Beispiel Hallenbäder spezialisierte Firma „s.a.b.“: „Bei einem Hallenbad benötigen wir im Durchschnitt etwa 800 Megawattstunden Wärme pro Jahr,“ so „s.a.b.“-Geschäftsführer Wolfram Wäscher, “mit einem Solareis-Speicher können wir davon etwa 30 bis 35 Prozent einsparen. Das ist enorm und mit keinem anderen System möglich – wir haben da eigentlich schon alles ausprobiert, von Holzpellets über reine Sonnenenergie bis hin zu Pflanzenölheizungen. Aber wir haben bisher noch kein Heizsystem gefunden, das so effizient arbeitet wie ein Solareis-Speicher.“ Auch bei den energieintensiven Hallenbädern spielt einmal mehr der Faktor Kälte eine große Rolle: „Besonders im Sommer müssen wir die Hallen mit kräftigen Gebläsen entfeuchten – auch hierbei können wir künftig mit Hilfe des Eisspeichers eine Menge Energie einsparen, weil die kostenlose Kälte, die wir daraus entnehmen, einem subtropischen Raumklima ebenfalls entgegenwirkt,“ so Wolfram Wäscher.
    Derzeit prüft die Firma „s.a.b.“, ob der „SolarEis“-Speicher bei bereits in Bau befindlichen Großprojekten in Winterberg im Hochsauerland Verwendung finden kann: „In Winterberg wurde gemeinsam mit der Stadt ein Entwicklungskonzept für den Kurpark umgesetzt, das jedoch weder den städtischen Haushalt noch die Bürger belastet. In einem Zeitfenster von etwa fünf Jahren werden dort von privaten Investoren insgesamt 100 Millionen Euro aufgebracht, um Winterberg als touristischen Anziehungspunkt voranzubringen,“ so Wolfram Wäscher. Geplant sind unter anderem ein Hotel, eine Stadt- und Kongresshalle sowie verschiedene Fitnesseinrichtungen – ein Gebiet, auf dem Wolfram Wäscher und sein Team ebenso viel Erfahrung mitbringen wie beim Hallenbadbau. Ohne das Engagement der bundesweit agierenden Firma „s.a.b.“ müssten nicht nur Städte wie Siegburg auf solch attraktive Freizeitmagnete wie das dortige „Oktopus“-Bad verzichten. Mehr noch: Die „s.a.b.“ entwickelt ihre vielerorts erfolgreichen Konzepte für eine Realisierung kommunaler Einrichtungen durch Privatinvestoren laufend weiter. Wolfram Wäscher: „Dabei spielen natürlich auch die Betriebskosten und der Umweltschutz eine wichtige Rolle, das sind wir unseren Kunden in den Rathäusern schuldig.“ 
    Derweil erhält der Eisspeicher-Hersteller „Isocal“ Anfragen aus dem ganzen Land – darunter von zwei kommunalen Baugesellschaften, die nach einer besonders effizienten und kostengünstigen Energielösung für geplante Wohnanlagen in Aschaffenburg und im Allgäu Ausschau halten. Auch bei der Planung von Gewerbeparks spielt der „SolarEis“-Speicher zunehmend eine wichtige Rolle. „Isocal“-Geschäftsführer Alexander von Rohr: „Mit dem System können auch sehr weitläufige Gebäudekomplexe versorgt werden – bei Einsparungen von bis zu 50 Prozent gegenüber herkömmlichen Heiz- und Kühlanlagen.“
    Es ist also wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch in Köln der erste „Energiekosten-Drache“ von den erfahrenen „Drachentötern“ um Gebäudewirtschaftsleiter Engelbert Rummel in einem solchen Eisspeicher eingefangen werden kann …
     
     
    Mit innovativen Heiz- und Kühlsystemen können öffentliche Gebäude auf niedrigem Kostenniveau betrieben werden

    Eine Erfindung aus Friedrichshafen schickt sich derzeit an, die Gebäudetechnik zu revolutionieren und hält Einzug in erste kommunale Bauprojekte: der sogenannte „SolarEis“-Speicher. Neben klassischen regenerativen Energiequellen kann damit auch die Abluft aus Abwasserkanälen für das Heizen genutzt werden. Mit dem mehrfach ausgezeichneten Eisspeicher-System lassen sich Gebäude außerdem nahezu kostenneutral kühlen. In Verbindung mit privaten Investoren rücken nun auch vielerorts längst aufgegebene Bauvorhaben wieder in greifbare Nähe.

    Engelbert Rummel gilt als äußerst erfahren, besonnen und optimistisch. Und doch erinnert der langjährige Leiter des Kölner Amts für Gebäudewirtschaft außenstehende Beobachter manchmal an eine Art „Drachentöter“, dem angesichts seiner fast unlösbaren Aufgabe eigentlich der Schweiß sichtbar auf der Stirn stehen müsste. Rummels Job: Energiesparen – wann und wo immer es nur geht. Rund 30 Mio. Euro verschlingt die Versorgung von öffentlichen Einrichtungen in der Rheinmetropole mit Heizung, Strom und Wasser. Jahr für Jahr. Und das, obwohl Engelbert Rummel und seine Teams alles Menschenmögliche tun, um den Verbrauch zu senken: Da wurden Gebäudehüllen gedämmt, Energieleitlinien ausgearbeitet, zusätzliche Stellen für Energieprüfer vor Ort geschaffen, Einsparpotenziale aufgespürt und die Nutzer der städtischen Gebäude für einen möglichst sparsamen Umgang mit den Ressourcen gecoacht.

    All diese Bemühungen trugen zunächst sogar reichlich Früchte: Innerhalb nur eines Jahres konnte etwa 2007 der Heizenergieverbrauch der städtischen Einrichtungen um immerhin sieben Prozent gesenkt werden. Und doch: Der „Drache Energiebedarf“ ließ sich nicht wirklich bändigen, denn im selben Zeitraum stiegen die Energiepreise um fast den gleichen Prozentsatz. Fast jeder Cent, der an Energie eingespart werden konnte, wurde durch die galoppierenden Kosten wieder eingeholt. Unter dem Strich schlug der Energieverbrauch für 2007 im Vergleich zum Vorjahr schließlich mit einer halben Mio. Euro Mehrkosten zu Buche, im Jahr 2008 waren es nach letzten Erhebungen gar drei Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Trotz aller Kämpfe.

    So wie Köln ergeht es vielen Städten und Gemeinden im Land. Und längst sind nicht allein die Investitionskosten bei notwendigen Sanierungs- oder Neubauvorhaben ausschlaggebend, sondern vor allem auch die danach zu erwartenden Betriebskosten. So manche marode Turnhalle, mancher dringend benötigte Schulneubau, manche Kulturstätte oder Freizeiteinrichtung liegt schon allein deshalb brach, weil die Aussicht auf eine dauerhafte Belastung durch ständig steigende Energiekosten bereits den Gedanken daran lähmt.

    Doch es geht auch anders – und zwar mithilfe neuer umweltfreundlicher und zugleich extrem ressourcensparender Technologien für das Beheizen – und auch das Kühlen – von Gebäuden. Die Rede ist vom sogenannten „SolarEis“-Speichersystem, eine Erfindung des deutschen Ingenieurs Alexander von Rohr.

    Das Grundprinzip: Anstatt sich nur auf eine natürliche Energiequelle zu verlassen, werden hierbei gleich mehrere „Naturgewalten“ gleichzeitig genutzt: Sonne, Luft, Erde, Wasser – und Eis. Gefertigt wird diese „optimale Wärmepumpe“ in einer Manufaktur am Bodensee, die aus einem einfachen Handwerksbetrieb hervorgegangen ist: der „Isocal Heizkühlsysteme GmbH“ in Friedrichshafen. Das „SolarEis“-System wurde bereits 2006 mit dem „Innovationspreis der deutschen Gaswirtschaft“ und im August 2010 mit dem Innovationspreis des „Deutschen Industrie- und Handelskammertages“ ausgezeichnet. Derzeit läuft die Bewerbung um den Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg. Das System besteht aus mehreren Komponenten:
     
    • Das zentrale Element ist der Eisspeicher. Dabei handelt es sich um einen Wassertank, der in einer Tiefe von etwa drei bis vier Metern in den Erdboden eingelassen wird. Das Fassungsvermögen reicht dabei von etwa 10 bis 15 Kubikmetern für kleinere Einheiten und bis zu tausend bei Großprojekten. Einmal im Erdboden versenkt, nimmt das Wasser dort zunächst die natürliche Erdwärme der Bodenschichten auf und macht sich diese für die spätere Energiegewinnung zunutze.
    • Zugleich werden die Temperaturbedingungen im Tank durch einen übererdigen Kollektor beeinflusst, der – meist auf dem Dach montiert – seine Energie sowohl aus der vorhandenen Lufttemperatur als auch aus der Sonnenkraft bezieht. Dieser „SolarLuft“-Kollektor speichert die Wärme selbst noch bei Dunkelheit und Regen und lagert sie über ein entsprechendes Leitungssystem im „SolarEis“-Speicher ein. Im Sommer wird die Solarwärme genutzt, um das Brauchwasser zu erwärmen – im Winter bietet der Kollektor eine kräftige Heizunterstützung.
    • Nun kommt die Wärmepumpe ins Spiel: Sie versorgt das Gebäude mit der nötigen Raumwärme, die zuvor durch Sonnenenergie, Lufttemperatur oder Erdwärme im „SolarEis“-Speicher „eingelagert“ wurde. Dabei kommt eine Wärmepumpe zum Einsatz, die entweder elektrisch oder von einem Gasbrenner (zum Beispiel mit Biogas) angetrieben wird.
    • Um auch jederzeit ausreichende Mengen an warmem Wasser zur Verfügung zu stellen, wird zusätzlich ein Warmwasserspeicher im Gebäude installiert. Dieser speist sich zunächst aus der Sonnenwärme, die der „SolarLuft“-Kollektor erzeugt. Scheint die Sonne nicht, springt die Wärmepumpe automatisch auf die Versorgung mit Wärmeenergie aus dem „SolarEis“-Speicher um.
    • Ein speziell für dieses komplexe System entwickelter Regler kontrolliert die einzelnen Komponenten: der „SolarEis“-Manager. Damit legen die Nutzer beispielsweise fest, ob die Wärme des überirdischen „SolarLuft“-Kollektors sofort für Warmwasser verwendet oder aber zunächst im unterirdischen „SolarEis“-Speicher eingelagert werden soll.
     
    Doch woher stammt die enorme Energiemenge, die ein solcher „SolarEis“-Speicher erzeugt? Erfinder Alexander von Rohr: „Das Geheimnis beruht auf einem einfachen physikalischen Prinzip: Wenn Wasser zu Eis gefriert, entsteht die sogenannte Kristallisationswärme. Diese freigesetzte Wärmemenge entspricht derselben Energiemenge, die man gewinnt, wenn man Wasser von 80 Grad Celsius auf null Grad Celsius herabkühlt. Das Problem: Bisher konnte dieser Effekt nicht genutzt werden, da die dabei auftretende Sprengwirkung des Eises technisch nicht beherrschbar war.“ Anders nun mit dem „SolarEis“-System, das durch seine neuartige Technologie die Sprengwirkung des Eises zuverlässig verhindert, indem das Eis dabei nicht – wie üblich – von außen nach innen gefriert, sondern von innen nach außen.
     
    Der Clou: Der Kristallisationsprozess kann nun nicht nur hundertprozentig beherrscht, sondern auch gezielt gesteuert – und vor allem – fast beliebig hinausgezögert werden. Dabei wird der Gefrierpunkt über Monate hinweg immer wieder eingeleitet, gestoppt und aufs Neue gestartet. Und immer wieder aufs Neue wird eine enorme Menge an Kristallisationswärme freigesetzt. Alexander von Rohr: „Dieses physikalische Phänomen kommt der extrem hohen Effizienz der Anlage im Betrieb über den gesamten Jahreszyklus hinweg zugute.“
     
    Mit dem „SolarEis“-System kann man jedoch nicht nur im Winter heizen, sondern im Sommer auch die gespeicherte Kälte zum aktiven Kühlen selbst großer Raumflächen verwenden. Der „SolarEis“-Speicher wird damit zur nahezu kostenneutralen und umweltschonenden Klimaanlage. Zudem können sich Investoren von Photovoltaik-Anlagen, wie sie zunehmend auch auf öffentlichen Gebäuden montiert werden, über einen äußerst gewinnbringenden Nebeneffekt freuen: Denn die Kühlung aus dem Eisspeicher kann ohne großen Aufwand an besonders heißen Sommertagen auch für die Module genutzt werden. Damit lassen sich die bei Überhitzung von PV-Anlagen einsetzenden Energieverluste ausgleichen – die „SolarEis“-Kühlung bringt hier in der Praxis zwischen 25 und 30 Prozent Effizienzgewinn.
     
    Das Ganze ist trotz seiner zahlreichen physikalischen und technischen Finessen nicht nur äußerst flexibel, sondern auch erstaunlich leicht zu installieren und lässt sich ebenso leicht steuern. Bei entsprechender Auslegung deckt das „SolarEis“-System sowohl den Wärme- als auch den Kältebedarf von Gebäuden aller Größenordnungen hundertprozentig und ganzjährig ab – vom Eigenheim bis zum Verwaltungskomplex. Es kann aber auch als zusätzliche Anlage andere Gewerke sinnvoll unterstützen. Zu den Anwendern gehören nicht nur immer mehr „Häuslebauer“ zwischen Flensburg und Garmisch, sondern auch viele Gewerbegebäude und große kommunale Einrichtungen. Jüngstes Beispiel: das Stuttgarter Stadtarchiv.
     
    Derzeit läuft der Umzug von Verwaltung und Archivalien aus den zuletzt recht beengten und auf vier Standorte verteilten Räumen in der Stuttgarter Innenstadt. Neues Domizil: ein komplett saniertes früheres Lagerhausensemble im nahe gelegenen Bad Cannstatt mit einer Bruttogesamtfläche von 11.000 Quadratmetern. Dort kommen künftig ein 400 Kubikmeter großer Eisspeicher und eine Wärmepumpe mit einer Leistung von 140 kW zum Einsatz.
     
    Der zuständige Sachgebietsleiter für Stadtsanierungsmaßnahmen und Bauherrenvertreter der Stadt Stuttgart, Matthias Bertram, erläutert die hohen Anforderungen des Projekts an die Energieversorgung: „Die Stadt Stuttgart hat sich in einem eigenen Energieerlass verpflichtet, auf Grundstücken, die selbst bebaut oder an Dritte verkauft werden, nur noch Bebauungen nach dem KfW-70-Standard zuzulassen. Dieses Ziel kann zwar bei denkmalgeschützten Bestandsbauten kaum erreicht werden, aber dennoch versuchen wir zusammen mit dem Amt für Umweltschutz auch bei Sanierungen stets ein Optimum an Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit zu erzielen.“ Dabei gehen die Stuttgarter Städteplaner weit über die Vorgaben der geltenden Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) hinaus.
     
    Matthias Bertram: „Wir haben zunächst einmal alle Möglichkeiten ausgelotet, die technisch bei so einem teilweise denkmalgeschützten Altbau überhaupt in Frage kommen. Die Gebäudeteile liegen mitten in einem Quellschutzgebiet, wir haben hier nach Budapest die größten Heilquellen Europas. Damit hat zuallererst einmal der Grundwasserschutz Priorität,“ so der oberste Stuttgarter Stadtsanierer. Ab drei Metern Tiefe beginnt vor Ort bereits der Grundwasserspiegel – Tiefbohrungen, etwa für geothermische Sonden, scheiden dadurch von vorneherein aus.
     
    „Auch für erdnahe Flachkollektoren fehlen die Flächen, da das Grundstück nahezu vollständig versiegelt ist,“ so Bertram weiter, „und auch die Nutzung von Industrieabwärme kommt nicht in Frage, weil sich keine entsprechenden Industriebetriebe in ausreichender Nähe befinden. Schließlich konnten wir zwar immerhin eine Dachfläche für eine Photovoltaikanlage nutzen, aber für weitere Module oder gar für Warmwasser-Solarkollektoren fehlte schließlich der Platz, weil das Hauptgebäude aufgrund der Denkmalschutzvorschriften dafür nicht genutzt werden kann und die restlichen Dachflächen bereits belegt waren.“ Was also tun?
     
    Die besondere Krux bei diesem Sanierungsprojekt lag schließlich in ihrem speziellen Nutzungszweck als historisches Archiv: „Wir brauchen hier in den Magazinen eine Heizung und Kühlung, die nicht nur besonders fein abstimmbar ist, sondern auch ohne wasserführende Leitungen auskommt. Die teilweise sehr empfindlichen alten Dokumente und Gemälde haben einen unschätzbaren Wert, auch das Stadtmuseum nutzt künftig einen Teil des Magazins. Deshalb haben wir uns an die europäischen Normen für die Lagerung von Archivalien zu halten. Das bedeutet: Wir brauchen ganzjährig eine konstante Temperatur von 18 Grad Celsius mit höchstens 0,5 Grad Celsius Abweichung. Die relative Luftfeuchtigkeit muss dabei stets 50 Prozent betragen – plus/minus zwei Prozent,“ so Bertram.
     
    Damit lagen die technischen Hürden für eine effiziente und zugleich wirtschaftliche Energieversorgung des neuen Stuttgarter Stadtarchivs ungewöhnlich hoch, als die Planer schließlich drei Kombinationen für eine mögliche Lösung in die engere Wahl fassten:
     
    1. eine herkömmliche Gasbrennwertheizung in Verbindung mit einer konventionellen Klimaanlage
    2. eine Holzpellet-Heizung plus konventioneller Klimaanlage
    3. eine Gasheizung für die Büroflächen, kombiniert mit einem Eisspeicher-System inklusive Absorptions-Wärmepumpe (teilweise unterstützt durch eine konventionelle Klimaanlage)
     
    Schließlich wurden diese drei Varianten eingehend unter Umwelt- und unter Wirtschaftlichkeitsaspekten geprüft. Dabei kamen die beteiligten Ämter für „Stadtplanung und Stadterneuerung“, „Liegenschaften und Wohnen“ sowie „Umweltschutz“ zusammen mit der Leitung von Stadtarchiv und Stadtmuseum zu folgendem Ergebnis:Im Vergleich mit einer konventionellen Gasheizung können unter Verwendung eines Eisspeicher-Systems beim Stuttgarter Stadtarchiv zunächst jährlich mehr als 55 Tonnen an schädlichen CO2-Treibhausgasen eingespart werden – auf zwanzig Jahre gerechnet werden dadurch immerhin 1.100 Tonnen CO2 vermieden. Selbst eine Pellets-Anlage brächte demnach, je nach Betrachtungsweise, weit schlechtere Umweltergebnisse. Matthias Bertram: „Zwar gelten Pellets als klimaneutral, solange dafür ausschließlich recycelte Holzabfälle verwendet werden. Aber wenn man den tatsächlichen CO2-Ausstoß betrachtet, der bei der Verbrennung entsteht, wäre dies bei unseren Vergleichen sogar die schlechteste Lösung gewesen.“
     
    Doch auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten konnte die Eisspeicher-Variante punkten: „Unter den drei Aspekten Energiekosten, Investitionskosten und Wartungskosten bietet das Eisspeichersystem die günstigste Lösung,“ so Bertram. Bei den reinen Verbrauchskosten liegt der Eisspeicher danach mit 55.000 Euro jährlich rund 30 Prozent unter den Verbrauchskosten einer konventionellen Lösung, die etwa 78.000 Euro pro Jahr betragen hätten. „Zwar liegen die Mehrkosten bei der Planung und beim Bau unserer Eisspeicherlösung bei rund 400.000 Euro – aber auf 20 Jahre gerechnet, lassen sich beim Verbrauch mit Hilfe des Eisspeichers locker weit mehr als diese 400.000 Euro einsparen,“ ist Matthias Bertram überzeugt. Das gelte besonders dann, wenn die Preise für Gas und Öl noch mehr in die Höhe klettern.
     
    Ein weiteres Plus: Der Eisspeicher benötigt keine oberirdischen Flächen, sondern „verschwindet“ unsichtbar unter der Erde – in diesem Fall unter dem Parkplatz der Archivgebäude.
     
    Doch die Entscheidung für den Eisspeicher, der vor allem auch auf Initiative des Generalplanungsbüros „agn“ aus Ibbenbüren realisiert wurde, hatte noch einen anderen triftigen Grund. Matthias Bertram: „Besonders im Frühjahr und im Herbst schwanken die Außentemperaturen beträchtlich, so dass man oft nachts heizen muss, aber tagsüber die Kühlung benötigt wird. Wenn man diese Temperaturschwankungen mit einer konventionellen Anlage bewältigen will, verursacht dies einen enormen Energieverbrauch. Anders beim Eisspeicher: Die Kälte, die beim nächtlichen Heizen als eine Art Abfallprodukt anfällt und im Eisspeicher zwischengelagert wird, kann tagsüber problemlos für die Kühlung abgerufen werden. Diese Energie geht also nicht verloren, sondern kann selbst innerhalb von 24 Stunden sinnvoll genutzt werden“.
     
    Derweil läuft der Probebetrieb der Bad Cannstatter Anlage bereits seit Anfang Oktober – störungsfrei. Und schon bald könnte die neue Technologie in ähnlichen öffentlichen Einrichtungen „wie etwa Bibliotheken, Stadthallen, Kongresszentren oder Kliniken zur Anwendung kommen,“ ist Heiko Lüdemann überzeugt, der gemeinsam mit Alexander von Rohr die Geschäftsführung der Firma „Isocal HeizKühlsysteme“ in Friedrichshafen innehat: „Dabei kann, wie im Fall des Stuttgarter Stadtarchivs einerseits flexibel auf einzelne Elemente wie zum Beispiel Solarkollektoren verzichtet werden – andererseits ist es aber auch möglich, verschiedenste Energiequellen zu nutzen, die ohnehin vorhanden sind.“ Dazu zählen neben Sonne, Luft und Erdwärme etwa auch Wärmeenergie, die bei Industrieprozessen (vor allem in der Automobilindustrie) entsteht – oder die Warmluft aus Abwasserkanälen. Heiko Lüdemann: „Das ist sicher für viele Kommunen interessant, denn hier verpufft eine Menge bisher ungenutzter Energie, die ja zunächst mal nichts kostet.“ Bislang war die Nutzung von Kanalluft dennoch selten ein Thema, wenn es um die Erschließung kostengünstiger Energiequellen ging. Der Grund: Herkömmliche Systeme sind kaum in der Lage, die eher niedrigen Temperaturen im Kanalnetz in Heizenergie zu verwandeln. „Gerade hier liegen die Stärken des Eisspeichers, denn das System funktioniert auch mit moderaten Temperaturen,“ so Heiko Lüdemann.
     
    Auch Dr. Sylvia Schädlich, Leiterin des Instituts für Energie-, Kälte- und Klimatechnik (InEKK) im westfälischen Gladbeck, sieht in dem „SolarEis“-Speicher deutliche Vorteile gegenüber vergleichbaren Heizsystemen wie etwa geothermischen Wärmepumpen, die ihre Energie aus tief gelegenem Grundwasser beziehen: „Die Technologie des Eisspeichers ist erprobt und daher auch viel einfacher und unbedenklicher einsetzbar als etwa Geothermie,“ so Sylvia Schädlich.
     
    Tatsächlich ist - anders als beim „SolarEis“-Speicher – bei der Nutzung des Grundwassers für die Erzeugung von Heizenergie stets ein aufwendiges Genehmigungsverfahren durch die örtliche Wasserbehörde Pflicht. Die Bohrungen sind zudem teuer und mit gewissen Risiken für die Bausubstanz der umliegenden Gebäude verbunden. So zeigten sich etwa im Schwarzwaldstädtchen Staufen nach umfangreichen Erdwärmebohrungen Risse an 256 Häusern – ein Schaden von mehr als 40 Millionen Euro.
     
    Aber auch andere herkömmliche Wärmepumpen haben im Vergleich deutliche Nachteile: Für eine Erdwärmepumpe ist zum Beispiel eine ausreichende Bodenfläche erforderlich. Spätere Schäden an den Rohrleitungen – etwa durch starken Wurzelwuchs von Bäumen und Sträuchern – sind dabei nicht ausgeschlossen. Luftwärmepumpen wiederum erreichen nicht immer die erforderliche Vorlauftemperatur und müssen daher nicht selten durch klassische Öl- und Gasheizbrenner unterstützt werden. Den ganz großen Vorteil des „SolarEis“-Systems sieht Dr. Sylvia Schädlich jedoch ähnlich wie viele Anwender „in der Kombination mit der Nutzung kostenloser Kälte im Sommer.“
     
    In Kürze läuft ein mehrjähriges Forschungsprogramm aus, das Dr.Sylvia Schädlich leitet: Als Untersuchungsobjekt für die auf 30 Monate angelegte Feldstudie dient ihrem Team dabei ein 4-Sterne-Hotel am Bodensee. Der Heiz- und Kühlbedarf der 55 Zimmer, drei Konferenzräume, einer Bar, zwei Restaurants, zwei Küchen und eines Wellnessbereichs mit Swimmingpool wird vollständig durch einen „SolarEis“-Speicher der Firma „Isocal“ abgedeckt – insgesamt 500 Kilowatt. In einer ersten Zwischenbilanz stellte das Team um Dr. Sylvia Schädlich dabei eine erstaunliche Energieeffizienz des „SolarEis“-Speichersystems fest: „Durch die Kombination aus Gas-Absorptionswärmepumpe und saisonalem Eisspeicher kann aufgrund der gleichzeitigen Nutzung von Wärme und Kälte eine Gesamteffizienz von über 200 Prozent, bezogen auf die eingesetzte Primärenergie, erreicht werden,“ so das InEKK in einer Stellungnahme.
     
    Ein weiteres unabhängiges Institut bescheinigte dem „SolarEis“-Speicher unterdessen ebenfalls einen besonders hohen Wirkungsgrad: Demnach liegt die am kompletten System ermittelte Jahresarbeitszahl – mit Unterstützung der angeschlossenen Solaranlage – mit einem Wert von 5,46 deutlich über der Effizienz einer herkömmlichen Erdsonden-Wärmepumpe. Errechnet wurde dieser bislang unerreichte Wert analog zur Richtlinie 4650 des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).
     
    Schon sind auch private Investoren hellhörig geworden – etwa die auf kommunale Freizeitanlagen wie zum Beispiel Hallenbäder spezialisierte Firma „s.a.b.“: „Bei einem Hallenbad benötigen wir im Durchschnitt etwa 800 Megawattstunden Wärme pro Jahr,“ so „s.a.b.“-Geschäftsführer Wolfram Wäscher, “mit einem Solareis-Speicher können wir davon etwa 30 bis 35 Prozent einsparen. Das ist enorm und mit keinem anderen System möglich – wir haben da eigentlich schon alles ausprobiert, von Holzpellets über reine Sonnenenergie bis hin zu Pflanzenölheizungen. Aber wir haben bisher noch kein Heizsystem gefunden, das so effizient arbeitet wie ein Solareis-Speicher.“ Auch bei den energieintensiven Hallenbädern spielt einmal mehr der Faktor Kälte eine große Rolle: „Besonders im Sommer müssen wir die Hallen mit kräftigen Gebläsen entfeuchten – auch hierbei können wir künftig mit Hilfe des Eisspeichers eine Menge Energie einsparen, weil die kostenlose Kälte, die wir daraus entnehmen, einem subtropischen Raumklima ebenfalls entgegenwirkt,“ so Wolfram Wäscher.
     
    Derzeit prüft die Firma „s.a.b.“, ob der „SolarEis“-Speicher bei bereits in Bau befindlichen Großprojekten in Winterberg im Hochsauerland Verwendung finden kann: „In Winterberg wurde gemeinsam mit der Stadt ein Entwicklungskonzept für den Kurpark umgesetzt, das jedoch weder den städtischen Haushalt noch die Bürger belastet. In einem Zeitfenster von etwa fünf Jahren werden dort von privaten Investoren insgesamt 100 Millionen Euro aufgebracht, um Winterberg als touristischen Anziehungspunkt voranzubringen,“ so Wolfram Wäscher. Geplant sind unter anderem ein Hotel, eine Stadt- und Kongresshalle sowie verschiedene Fitnesseinrichtungen – ein Gebiet, auf dem Wolfram Wäscher und sein Team ebenso viel Erfahrung mitbringen wie beim Hallenbadbau. Ohne das Engagement der bundesweit agierenden Firma „s.a.b.“ müssten nicht nur Städte wie Siegburg auf solch attraktive Freizeitmagnete wie das dortige „Oktopus“-Bad verzichten. Mehr noch: Die „s.a.b.“ entwickelt ihre vielerorts erfolgreichen Konzepte für eine Realisierung kommunaler Einrichtungen durch Privatinvestoren laufend weiter. Wolfram Wäscher: „Dabei spielen natürlich auch die Betriebskosten und der Umweltschutz eine wichtige Rolle, das sind wir unseren Kunden in den Rathäusern schuldig.“
     
    Derweil erhält der Eisspeicher-Hersteller „Isocal“ Anfragen aus dem ganzen Land – darunter von zwei kommunalen Baugesellschaften, die nach einer besonders effizienten und kostengünstigen Energielösung für geplante Wohnanlagen in Aschaffenburg und im Allgäu Ausschau halten. Auch bei der Planung von Gewerbeparks spielt der „SolarEis“-Speicher zunehmend eine wichtige Rolle. „Isocal“-Geschäftsführer Alexander von Rohr: „Mit dem System können auch sehr weitläufige Gebäudekomplexe versorgt werden – bei Einsparungen von bis zu 50 Prozent gegenüber herkömmlichen Heiz- und Kühlanlagen.“
     
    Es ist also wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch in Köln der erste „Energiekosten-Drache“ von den erfahrenen „Drachentötern“ um Gebäudewirtschaftsleiter Engelbert Rummel in einem solchen Eisspeicher eingefangen werden kann
     
     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

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